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Lebensgefährlich?

11.10.11 08:59

Von: Nadia Hamouda & David Bärfuss

Zwei Web-ReporterInnen von p_a_r_t besuchten ein Training von Parkour Bern. Lebensgefährlich oder alltäglich? Fotos, ein Bericht und ein Interview verraten dir mehr.

 

Bevor ich zum Training von Parkour ging, wusste ich noch nichts darüber, nur dass das Leute seien, die auf Häuser klettern und sonstige lebensgefährliche Aktivitäten betreiben. Doch während des Trainings hat die Gruppe keine Häuser bestiegen und auch sonst sah es nicht ganz so gefährlich aus. Als sie über das Geländer spazierten, sah es aus, als ob es etwas ganz alltägliches wäre. Für jemanden, der es knapp schafft, auf der Strasse nicht zu fallen, war das unglaublich faszinierend. Im Übrigen hatte ich ein komplett falsches Bild von der Sportart gehabt. Es ist keine lockere Freizeitbeschäftigung, sondern es braucht richtig viel Disziplin. Schon nur beim „kleinen“ Warm-up war unglaublich viel Kraft und Ausdauer im Spiel. Danach wurde die Gruppe geteilt und jede der Teilgruppen arbeitete an einem Posten an speziellen Übungen. In der einen Gruppe wurde der Flow behandelt, d.h. Hindernisse in einer besonders flüssigen Bewegung zu überwinden. Die andere Gruppe versuchte auf verschiedene Arten ein Geländer zu besteigen. Am Ende gab es ein Krafttraining und anschliessend ein Ausdehnen. Alle Gruppenteilnehmer verabschiedeten sich dann voneinander mit einem Handschlag.

Und die Gründe warum sie bei Parkour mitmachen? „Einerseits ist es Training, also eine sportliche Betätigung, so wie z.B. Fussball. Andererseits lernt man auch seinen Körper kennen und nimmt seine Umgebung ganz anders wahr. Man sieht nicht mehr Geländer und Mauern, sondern Hindernisse, die man Überwindern muss". Dieser Meinung ist jedenfalls Fabian.

 

Hier findest du die Fots vom Training von David Bärfuss.

 

Auf dem Nachhauseweg überdachte ich meinen Besuch noch einmal und war, alles in allem, ziemlich zufrieden mit dem, was ich erfahren hatte. Vor allem war ich ziemlich überwältigt. Lebensgefährlich war es jedenfalls nicht. Das konnte mir Felix Iseli, der Trainer des Trainings in Bern und Geschäftsführer der ParkourONE GmbH, dann auch selbst bezeugen:

 

 

Nadia: Was ist Parkour eigentlich?

 

Felix Iseli: Parkour an sich ist die Kunst der effizienten Fortbewegung. D.h. effizient Hindernisse überwinden. Ohne jegliche Hilfsmittel von einem Punkt A zu einem Punkt B kommen. Das ist grundsätzlich die reine Definition von Parkour.  Mittlerweile gibt es verschiedene Variationen, wie man Parkour auslebt. Bei uns steht jedoch immer die Effizienz im Vordergrund. 

 

N: Waren Sie der Erste, der Parkour hierher nach Bern gebracht hat?

 

FI: Nein ich war nicht der erste. Parkour kommt aus Frankreich und Roger Widmer, mein Freund und Geschäftspartner, hat es im Jahr 2000 in die Schweiz gebracht.

 

N: Warum wollten Sie hier dabei sein?

 

FI: Ungefähr im Jahr 2002 wurde ich von meinem Nachbarn, der mit Roger trainierte, gefragt, ob ich mitmachen wollte und mir hat es sehr gefallen. Mir gefällt, dass es eine freie Bewegung ist und ich um diesen Sport zu betreiben keine Hilfsmittel brauche (...)

 

N: Was ist das für ein Gefühl diese spezielle Sportart zu betreiben?

 

FI: Wenn ich für Parkour trainiere, empfinde ich tausende Gefühle. Manchmal verspüre ich Freude, manchmal Schmerz, manchmal ‚schiessts mi ah’ und manchmal fühle ich Freiheit. Das speziellste Gefühl empfinde ich, wenn ich Läufe trainieren, mehrere Bewegungen hintereinander trainiere und ich merke wie ich langsam in dieses, wie wir es nennen, flow-Gefühl hinein komme. Man muss nicht mehr gross denken, man ist frei,  man nimmt die Hindernisse, die Geländer, etc. alles was kommt, wie es eben kommt.

 

N: Im Zusammenhang mit Parkour wird oft behauptet, „Parkour ist nicht nur ein Sport, sondern auch eine Lebenseinstellung“. Wie sehen Sie das?

 

FI: Ich kann nur für mich sprechen und für mich ist Parkour mehr als bloss ein Sport. Für mich ist es eine Lebenseinstellung, eine Art wie ich an Probleme, Hindernisse herangehe. Es ist eine Art alles so zu sehen, dass es eine Herausforderung ist und man nicht aufgeben muss, sondern immer weiss, dass es einen Weg gibt. Der Weg ist das Ziel.

 

N:Wie viele Verletzungen haben Sie sich in diesen 9 Jahren schon zugezogen?

 

FI: Grössere Verletzungen habe ich mir zwei zugezogen. Als ich vorher Handball gespielt habe, habe ich mich deutlich mehr Verletzt und das kommt daher, dass man bei Parkour alles selber einschätzen kann. Ich weiss der Beton ist hart und er bleibt auch hart, es gibt nichts, was ich nicht selber einschätzen kann. Beim Mannschaftssport habe ich einen Gegner und ich weiss nicht, wo er hingeht, ob er den Fuss austreckt oder ob er jetzt kickt. Und das haben wir bei Parkour nicht.

 

N: welche Voraussetzungen braucht man, um hier mitzumachen?

 

FI: Man braucht eigentlich nichts um mit zu machen, ausser beim Probetraining muss man geduldig sein, da es viele gibt, die da mitmachen möchten. Im Allgemeinen braucht man für Parkour nichts ausser Motivation etwas Neues zu lernen und an sich zu arbeiten.

 

N:  Was ist das Durchschnittsalter der Gruppe, momentan?

 

FI: Beim Training ist die untere Grenze bei 12 Jahren, da kann man sie schon mit Allen mischen,  eine obere Grenze haben wir nicht.  Das Durchschnittsalter ist schwer zu sagen, ich behaupte mal, so zwischen 15 und 19 Jahren. 

 

N: Können wir nächstens mit einem Event in Bern rechnen?

 

FI: Ein Event in Bern werden wir bestimmt im Sommer wieder haben. Jetzt kommt die kalte Jahreszeit und erst gegen Frühling oder Sommer werden wir wieder Events, wie Workshops, anbieten können.